Im Interview mit Nicola Elze von Danza Furiosa

 

Eclair en l’Air- Das Tanztheater der Lüfte

 

Crabbel: Liebe Frau Elze, wie kamen Sie auf die Idee zum neuen Stück Eclair en l’Air?

Eclair en l'Air

Danza Furiosa: Ich wollte etwas Besonderes machen. Etwas, dass es sonst noch nicht gibt und sich von den regulären Artistik-Nummern abhebt. Da ich sowieso eine Schwäche für Kronleuchter habe, lag die Idee nahe und das, was dazu in meinem Kopf entstand, war einfach zu schön, um nicht umgesetzt zu werden, auch wenn es ein großes Wagnis war.

Crabbel: Wovon handelt das Stück?

Danza Furiosa: Von der fortwährenden Veränderung und Weiterentwicklung. Nicht alles ist das, was es zu sein scheint, nicht jeder ist so, wie er zunächst wirkt. Wertigkeiten werden in unserer immer schneller werdenden Welt häufig zu voreilig getroffen: Es geht um den zusätzlichen Raum, den jeder füllen kann, wenn er will, um das Über-sich-selbst-Hinauswachsen. Ursprünglich lautete der Arbeitstitel auch mal „Metamorphosys“, denn die ganze Szenerie befindet sich im stetigen Wandel. Insgesamt gibt es sieben verschiedene Bilder. Dabei geht es um vorwitzige Elfen, die einen alten Kronleuchter zum Leben erwecken. Das Schöne daran ist, dass der Leuchter an sich erst in den letzten beiden Szenen erkennbar wird- auch die Elfen zeigen erst dann ihre wahre Identität. Erst ist dort nur ein Zelt, doch es verwandelt sich durch die Elfen in riesige Flügelwesen, die Flügel wiederum werden zu einer magischen Verbindung in den Himmeln. In luftigen Höhen beginnt ein Karussell sein Spiel, doch wie es schließlich zum Lüster wird und es zur tatsächlichen Erleuchtung kommt will ich hier nicht verraten, das muss man sich ansehen.

Crabbel: Wie und wann kamen Sie allgemein zur Akrobatik?

Danza Furiosa: Über den Tanz- ursprünglich war ich Tänzerin und choreographierte sowohl für zeitgenössisches Tanztheater als auch für Shows. Die Shows wurden immer artistischer, bis ich irgendwann beschloss, auf eine Zirkus-schule zu gehen um dort die Artistik von Grund auf zu lernen. Schon während der Tanzausbildung war ich gelenkiger als die übrigen Tänzer, deshalb interessierte mich vor allem die Kontorsion. Gleichzeitig lernte ich dort auch die Luftartistik kennen und lieben.

Crabbel: Was wollten Sie als Kind eigentlich werden und warum?

Danza Furiosa: Mein Kindheitstraum war tatsächlich „Zirkusprinzessin“ zu werden. Vielleicht weil ich damals schon spürte, dass ich es könnte, denn gelenkig war ich ja. Die Bühne, die Kostüme, das Leben im Zirkuswagen haben mich immer schon fasziniert. Aber bereits als Kind war mir klar, dass das völlig illusorisch war. Es gab damals keine Zirkusschulen und in eine Zirkusfamilie war ich nicht hineingeboren worden. Ich war mir sicher, es würde beim Traum bleiben.

Crabbel: Woher nehmen Sie die Inspiration für neue Stücke?

Danza Furiosa: Aus meiner geheimen Schublade. Ich spinne immer wieder an den unterschiedlichsten Bildern und Ideen herum, viele funktionieren nicht gleich oder es fehlt die Zeit sie auszuarbeiten und so wandern sie alle erstmal in meine „Ideen-Schublade“. Wenn dann aber, manchmal erst nach Jahren, das passende Stück dazu entsteht, hole ich sie wieder heraus und tüftele und bastele daran herum, bis alles passt. Wie guter Wein…die ältesten Ideen sind oft die besten oder vielleicht auch die, die nach vielen Jahren immer noch so präsent sind, dass ich sie schließlich umsetze.

Crabbel: Wie lange dauert die Einübung solch eines Stückes? Wie lange trainieren die Artisten pro Tag?

Danza Furiosa: So pauschal lässt sich das nicht beantworten, denn die Entwicklung eines Stückes in dieser Größenordnung bedeutet weit mehr als nur das Einstudieren einer Choreographie. Es gab drei verschiedene Phasen: die Planung, die Anfertigung des Materials und schließlich die Proben. Zwischen der Idee und den ersten Proben vergingen zwei Jahre. Denn die Entwicklung im Vorfeld war ein langwieriger Prozess, da etliche Fragen vorab geklärt werden mussten: Wie soll der Kronleuchter aussehen? Was soll an dem Gerät turnerisch alles möglich sein? Wie ist das Ganze noch transportierbar? Welches Material wird verwendet, was erlaubt die Statik? Und nicht zuletzt die Frage des Geldes, des Risikos: Wie teuer wird das Projekt, wer finanziert das alles? Geht das ohne Sponsoren, ohne Fördergelder überhaupt? Wer bucht eine so große Nummer? Wo ist das noch spielbar bzgl. Höhe und Aufhängung? Und nicht zuletzt: lohnt sich am Ende der ganze Aufwand? Viele Zweifel mussten aus dem Weg geräumt werden. Zwei Jahre später waren diese Fragen größtenteils geklärt und das Grundgerüst des Leuchters gebaut: Innerhalb der nächsten 18 Monate entstand dann das Stück. Immer im stetigen Wechsel zwischen Proben mit den Artisten und weiteren Bau- und Tüftelphasen. Insgesamt vergingen dreieinhalb Jahre zwischen der Idee und dem fertigen Stück. Mit Bau- und Tüftelphasen meine ich, dass ein Großteil der Arbeit außerhalb des Proberaums stattfand: Verbesserungen am Artistik-Gerät, Anfertigung von Requisiten und Kostümen, Musikauswahl und Schnitt. Bei den Proben geht es nicht nur um das Einüben festgelegter Abfolgen, sondern auch um das Darstellen und Umsetzen bestimmter Bilder und Situationen. Die Artisten in der Company bringen auch ihre eigenen Ideen ein, vieles entsteht und verändert sich während den gemeinsamen Proben. Dadurch, dass wir ein internationales Team sind, mit Artisten aus Amsterdam, Berlin und München haben wir gezwungenermaßen sehr intensive Arbeitsblöcke. D.h. wenn trainiert und geprobt wird, dann von morgens bis abends, um die gemeinsame Zeit möglichst effektiv zu nutzen. Das erfordert nicht nur körperlich viel Kraft, sondern auch Disziplin und Durchhaltevermögen. Ich bin sehr stolz auf unser Team und dankbar, dass wir da alle an einem Strang ziehen. Ich weiß, dass ich mich voll auf sie verlassen kann, auch wenn´s hart auf hart kommt. Das ist keine Selbstverständlichkeit, aber ohne ein solches Team würde das Ganze nicht funktionieren. Die Grundfitness für die Nummer ist sowieso bei allen gegeben: jede von uns spielt auch noch in ihren eigenen Formationen und Stücken, die genauso geprobt werden müssen-d.h. es wird sowieso nahezu täglich trainiert. Unterm Strich eher zu viel, als zu wenig. Langweilig wird´s da nie…

Crabbel: Wie würden Sie Eclair en l’Air in kurzen Sätzen beschreiben?

Danza Furiosa: Eclair en l’Air ist ein Tanztheater der Lüfte. Vier verspielte Elfenwesen entführen die Zuschauer in eine Welt der Schwerelosigkeit: Es ist die Geschichte eines Kronleuchters, der eindrucksvoll und abwechslungsreich dargestellt wird. Dabei stehen die kleinen, bewegenden Momente ebenso im Vordergrund wie die anspruchsvolle  Luftartistik und die großen raumfüllenden Bilder.

Crabbel: Wenn Sie zurückblicken: Welcher Auftritt ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben und warum?

Danza Furiosa: Die Zusammenarbeit mit Fura del Baus für eine große Open Air-Opern-Inszenierung vor 10.000 Zuschauern. Wunderschöne Szenen, gute Regie-Arbeit, alles in kürzester Zeit und in letzter Minute einstudiert. Vor der Premiere waren alle sehr nervös, aber es lief bestens und es wird uns immer als ein ganz besonderer Sommernachtstraum in Erinnerung bleiben.

 

Crabbel: Die Originalversion wurde in mehrere Themen umgearbeitet, welche Version gefällt Ihnen am besten und warum?

Danza Furiosa: Am schönsten war sicherlich die Version, die von Opernsängern begleitet wurde. Ich bekomme heute noch Gänsehaut, wenn ich das Video vom Finale sehe. Das Stück selber allerdings profitierte am meisten von unserem James Bond-Auftritt: dadurch kamen wir z.B. auf neue Musik, „Diamonds forever“ haben wir gleich dauerhaft übernommen. Ebenso sind auch actionreiche Momente und lässige Posen hinzugekommen. Jedes Motto stellt eine andere große Herausforderung dar: vieles muss neu durchdacht werden und es bedeutet jedes Mal langwierige Proben, aber mit jeder neuen Sichtweise wird die Inszenierung um etliche Momente reicher.

Crabbel: Wie kamen Sie auf den Namen „Eclair en l’Air“ und was bedeutet er?

Danze Furiosa: Es ist ein schönes, doppeltes Wortspiel: Oberflächlich könnte man es mit „Erleuchtung in der Luft“ übersetzen, was ja durchaus das Stück beschreiben würde. Genau betrachtet ist das aber nicht korrekt: „en l’Air“ bedeutet nämlich eher „ein bisschen verrückt“ oder auch „abgehoben“- und Eclair gibt ess ja auch beim Bäcker als süßes Gebäckstück. Alles in allem ist die Bedeutung also: Süß, aber abgehoben, finden sie weit oben die Erleuchtung…oder so ähnlich.

Crabbel: Für welche Events würden Sie Ihre Show empfehlen und warum?

Danza Furiosa: Für edle Galas in großen Hallen (am liebsten mit Glaskuppel) ist der Kronleuchter natürlich perfekt, aber wir spielen auch gerne Open Air und hängen uns einfach an einen Kran. Gerade auch für Festivals oder Kulturfeste ist unsere Show durch die vielen verschiedenen Szenen eine wunderbare Bereicherung.

Crabbel: Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Danza Furiosa: Im Theater mit einer abendfüllenden Version von Eclair en l’Air. In meiner Ideen-Schublade warten noch einige Szenen, die nur darauf warten, in die Story eingebettet zu werden. Außerdem gibt es schon Gespräche mit Kollegen, die dafür eine perfekte Ergänzung wären.

Crabbel: Was ist für Sie das Schönste an Ihrem Beruf?

Danza Furiosa: Die Unabhängigkeit der eigene Chef zu sein, die Herausforderungen, welche einen immer wieder fordern und weiterbringen und das Reisen: Die wunderschönen Orte, die man kennen lernt und die vielen spannenden Leute, welche man trifft…

Crabbel: Vielen Dank!

 

Weitere Informationen und Buchung:

www.crabbel.de/danza-furiosa

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